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USA und Großbritannien gegen Boykott

10. August 2013

Barack Obama und David Cameron reagieren auf Forderungen, wegen schwulenfeindlicher Gesetze in Russland die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zu boykottieren. Ihre Strategie sieht anders aus.

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Sotschi 2014 - Feier (Foto: NATALIA KOLESNIKOVA/AFP/Getty Images)
Bild: Getty Images

"Wir können Vorurteile besser bekämpfen, wenn wir teilnehmen, als wenn wir die Winterspiele boykottieren", schrieb Großbritanniens Premierminister David Cameron am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama sich ebenfalls dagegen ausgesprochen, den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi fernzubleiben. Auf einer Pressekonferenz kritisierte er zwar Länder, die diskriminierende Gesetze gegen Homosexuelle erlassen. Einen Olympia-Boykott halte er jedoch für "eine unangenmessene Geste

Mit Medaillen gegen Gesetze

"Ich würde mich freuen, wenn einige schwule und lesbische Athleten Gold nach Hause brächten", formulierte Obama seine Strategie des Protests gegen die verschärften russischen Anti-Homo-Gesetze. Falls Russland keine Schwulen oder Lesben antreten ließe, würde diese Entscheidung das Team des Gastgebers wahrscheinlich schlechter machen, so Obama.".

Russland verbietet "Homosexuellen-Propaganda"

Der britische Schauspieler und Autor Stephen Fry hatte in einem offenen Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und an Premierminister Cameron zu einem Boykott der Spiele in Russland aufgerufen. Die olympische Bewegung werde beschmutzt, falls die Spiele in Russland stattfinden dürften, so Fry. Russlands Präsident Wladimir Putin habe "aus Schwulen Sündenböcke gemacht - wie Hitler es mit den Juden gemacht hat."

Cameron dankte Fry für seinen Brief und pflichtete ihm per Twitter-Nachricht in einem Punkt bei: "Ich teile die tiefe Beunruhigung über die Verletzung der Rechte von Homosexuellen in Russland", so der Premier.

Ausnahme für Olympia

In Russland sind positive Äußerungen über Homosexualität in Gegenwart von Minderjährigen verboten. Auch in Medien und im Internet darf sogenannte "Schwulen-Propaganda" nicht verbreitet werden. Ausländer können bei einem Verstoß gegen das Gesetz mit Geldstrafen bis zu umgerechnet 2300 Euro belegt werden. Auch Haft bis zu 15 Tagen und die Ausweisung sind möglich.

Das Internationale Olympische Komitee hat von der russischen Regierung die Zusicherung, dass das Gesetz während der Spiele in Sotschi Anfang nächsten Jahres nicht angewendet werden soll. Das würde bedeuten, dass Schwule und Lesben in der Zeit für ihre Anliegen auf die Straße gehen dürfen. An der generellen Kritik von Menschenrechtsaktivisten an dem ihrer Ansicht nach diskriminierenden Gesetz ändert diese Ausnahmeregelung jedoch nichts.

Proteste gegen die russischen Anti-Homo-Gesetze gab es auch anlässlich der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau: In London forderten mehrere Hundert Demonstranten die Aufhebung der Bestimmungen durch Russlands Präsident Putin. Eine entsprechende Online-Petition wurde bereits von 350.000 Internetnutzern unterzeichnet.

mak/wl (sid, dpa, afp)